Arm aber sexy geht mir auf die Eier. Mitte des Monats fehlen 7 Euro, um die Miete, leider schon lange nicht mehr termingerecht, bezahlen zu können und meine Nerven liegen blank. Es ist mir ein Rätsel, wie Leute das Monat für Monat einfach immer automatisch machen: nicht bezahlen, spät bezahlen. Arm is the new Prosecco in Dosen, als Plagiat, gibt es jetzt bei Lidl für 79 Cent. Das passt ganz hübsch zu der Katze im Sack, die man nicht kaufen "kann", sondern hat und anstatt Hündchen im Designertäschchen mit sich führen sollte. Der Handtaschentigerlook lenkt aber leider keineswegs von dem großen Beutel Pfandflaschen ab, den man über die andere Schulter geworfen hat, um noch ein paar Euro zusammen zu kratzen. Ich werde arm, alt und gebückt mit noch schlimmeren Augenringen und zerkratzt, von der und für die Katz, Prosecco aus Lidldosen schlürfend zu Grunde gehen.
Ich möchte ein Schweizer Bankkonto und das standesgemäß auch führen undf füllen! ...Utopien 2007 (Utopia 1518 im Vergleich)
Reizend.
Zumindest möchte ich ein emotionales Schweizer Konto. Etwas, was einem leise zuflüstert: alles wird gut, es ist okay, DU bist okay. Wenn man das viel öfter hören würde wäre die gesamte Wellnessbranche sofort schachmatt, pleite, bankrott. Die Menschen braucht sicherlich Entspannung, aber Wellness und all das teure Gekröse sind Symptombekämpfung galore. Alleine die leisen, freundlichen, liebevollen Worte: alles wird gut, es ist okay, DU bist okay- und nie wieder Krieg, Schmerz, Pest & Cholera.
Ich verkaufe meine Wahnsinnsideen ins Ausland oder werde sexy Busenterroristin (damit haben wir Adorno schließlich auch platt bekommen.) und fülle dann mein Schweizer Konto mit Sätzen vollendeter Schönheit und Trost ("don`t panic!", ect pp) lasse das Trinken und kaufe der Katze endlich den verdienten Muschi-palace und uns eine Eigentumsimmobilie mit Südbalkon und Bergblick.
...
Gestern hat mich jemand gefragt ob ich etwas vermisse und ich dachte an Bergblick und Seewasser und die Ahnung von Sommer und die Möglichkeit von Sein. An Earl Grey und Kaffeeduft. Heute morgen bin ich aufgewacht und wusste nicht, wo ich bin. Die Sonne scheint hier durch die Fenster aber die Luft riecht anders als dort. Im Bett hängt ganz leicht, nur wie gefühlt früher, dein Duft noch nach. Ich pendele zwischen leicht bewölkt und freundlich, der Himmel gibt das Vorbild. Wetterberichte zeichnen hier keine inneren Landkarten nach. Sie sind nur schöne Metaphern, die ich mag und die manchmal traurig machen. Es hat alles zwei Seiten, das wusste ich längst. Heute möchte ich ein bisschen verzweifeln und schreibe Sätze irgendwo hin, die Mut machen. Verzweifeln kann ich schon so gut, also lass ich es besser und schaue nach Vorne. Mutig. Mut ist ein wagendes Vertrauen in die eigene Kraft, ist eine der anspruchsvollsten Monatszeitschriften im deutschen Sprachraum und das, was das schöne Gefühl im Bauchbereich zulässt. Ich hab das Herz vorhin an die Wand am Kopfende gehängt, wenn ich die Augen öffne, morgens, ist es dann da. Und ich weiß wieder, wo.
-heroische Beschränkung-
Mittwoch, 14. März 2007
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