Poetry Slam, Ballhaus Ost, 14.9.2007
Und eigentlich nehmen wir das Wort letztendlich doch wieder nur zu ernst. Das Konzept Wort? Immer wieder eine lange Geschichte voller Freude, Leid und Missverständnisse. Aber was ist das nicht. Die Grenzen der Sprache. Gestern schon die eine Seite, heute wieder die andere, immer wieder eine neue. Ich habe sie alle gesehen. Und sie haben
zurück geschaut. Interessenloses Wohlgefallen. Und wir gehören überall hin und ich möchte nicht wirklich dabei sein. Bin es aber doch. Und wo ist die dunkle Seite?
Das Demonstrieren der Möglichkeiten von Wort, das Aufzeigen von allem, was man hinein und heraus bringen und ziehen und zerren kann. Fast fange ich Feuer, und doch ist da immer diese unsichtbare Grenze, diese Barriere, die immer da ist, seit ich denken kann. Es ist nicht einfacher dadurch, dass ich um sie weiß.
Sobald das Wort Seele fällt, falle ich ins Bodenlose. Die Suche nach den richtigen
Worten führt manchmal in die falsche Richtung. Erlegt dem Ganzen, was das auch sein sollte, eine unnötige Richtung, Schwere und Dichte auf. Manchmal sind die richtigen Worte die komplett falschen. Sollte jeder die offensichtlichste Konnotation haben oder ist es ein Wort, das nur mir gehört? Worte gehören jedem immer nur ganz alleine. Diese Lektion muss man früh lernen, oder man lernt sie nie. Nie.
Inwiefern ist das Äußerliche wichtig bei solchen Veranstaltungen? Ist es wichtig? Wie entscheidet das Publikum? Die Frage nach dem Vor- und Nachteilen eines ordinären Buches stellt sich immer wieder. Das Buch steht für sich selbst, erstrangig, in zweiter Linie für den Autor. Das Buch ist also mehr Bild als zB Song. Wer ist hier wichtig, wie bringt man sie hervor, diese „Worte“? Die Frage nach Wichtig und Nichtigkeit und wieso muss etwas auf die Bühne, stellt sich immer wieder. Inwiefern wird hier ein Konzept wie Theater in das Konzept des geschriebenen, gelesenen Wortes in einen (passenden oder unpassenden) anderen Kontext- gezerrt?
Ich mag das Wort Slam leider nicht. Aber nach Geschmacksfragen sollte man einfach einen Punkt setzen und dann enden.
Es ist nicht schwer, einer gesprochenen Melodie zu folgen. Ich möchte zu Melodien tanzen, einschlafen, es ist ein wenig schwer, aus diesem festen Muster auszubrechen. Ich will es ja eh nicht. Wahrscheinlich ist das das Problem. Wenn es darum gehen sollte, die Sache mit Melodie zu präsentieren, habe ich immer ein unangenehmes Gefühl zu mir hin. Mir fallen die Inhalte schwerer ins Gewicht. Das macht es nicht einfach, wenn es in einer Sprache ist, die ich nicht verstehe. Obwohl, das ist es ja so oder so meistens.
Gelesen eröffnet sich ein anderer Takt, da geht es ganz anders zur Sache. Nicht ohne Grund frage ich mich nicht mehr, ob ich es gelesen oder vor-gelesen haben möchte. Manche Texte funktionieren nur auf eine Weise. Manche gar nicht und bei manchen ist es einfach vollkommen überraschend, wie die eine Art den Text anders definiert und interpretiert. Schon in der allerersten Instanz. Auch hier ist nicht die Frage relevant: Macht es Sinn, sondern die Tatsache, ob man dem ganzen Sinn GEBEN will oder nicht. Eigeninitiative. Aktiver Part. Offensive.
Alles nichts, was man immer haben muss. Oder hat.
Anknüpfung an oben schon Angesprochenes. Wahrscheinlich kann man Wort wie einen Song behandeln und danach ausrichten. Oder man behandelt und nutzt es wie ein Bild. Wie etwas, dass man nicht nur liest, sondern ansieht. Und dann ist da doch wieder die Sache mit der Melodie. Auf die ich schon eingegangen bin. Auch im Lesen bildet sich eine Melodie heraus. Oder besser: hinein. Sie bildet sich innen, in sich selbst und man hat ein Tempo und verschiedenen Autoren haben verschiedene Geschwindigkeiten. Man spürt es beim Lesen, manchmal ist es atemlos, ein anderer schleicht nur. Manchmal ist da auch rein gar nichts. Das kann man dann als überflüssig/ schlecht/ nicht lohnenswert/ verhauen abstempeln und einordnen, Wie man es eben macht. Oder man ignoriert es. Die Möglichkeit solche Texte einfach zu vernachlässigen noch bevor man über sie gestolpert ist, also quasi gar nicht über sie stolpern, gibt es sicher auch. Sie existieren dann nicht. Ganz klar. Faktisch natürlich schon, aber nicht in meiner Welt. Sozusagen.
Dinge, von denen ich zwar weiß, die es aber durch mich schaffen in meiner Welt nicht zu existieren:
Schlechte Texte
Wunder
Liebe
Vollkommenes eins sein mit sich
Die Liste ist nach unten offen und wird hiermit noch nicht endgültig beendet. Nie endende Listen. Auch ein Punkt auf ebendieser.
Alles also ziemlich menschlich. Eigentlich beruhigend. Sollte es zumindest sein. Wobei ich finde, man muss schon sehr standsicher und optimistisch sein um „menschlich“ als etwas Beruhigendes anzusehen.
Aber das soll nicht meine Problemstellung sein. Das nehm ich hin und richte es rein nach mir aus. Besser so.
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"Fool for love", Premiere, Ballhaus Ost, 19.9.2007
Dagegen halten wir jetzt das Theater, fest. Zumindest an einem festen Standpunkt. Der Bühne nämlich. Aber auch hier wieder nur ein Ort, an dem es stattfindet. Die Bühne war auch vorher schon da. Teils ist sie überall.
Das Theater muss laut sein, das unterscheidet es nicht von dem vorangegangenen. Leises Theater ist ja das Leben. An sich. Voll mit noch mehr Füllworten, Füllwörtern.
Hier wird eine andere Geschichte erzählt und dabei letztendlich doch immer die gleiche. Das gesammelte Auswerfen von Innerlichkeiten und dem Drumherum nennt man an dieser Stelle Geschichte, hierbei: Stück. Hier wird das Wort mit einem Bild zusammengebracht, einem beweglichen. Keinem fixiert beweglichen wie dem Film, eher mit einem nach allen Seiten irgendwie offenem Bild. Da es sich bei jeder Aufführung verändern kann, ist an allen Seiten ein kleines Schlupfloch, zu dem hin das Bild variiert. Zumindest ein wenig. Hier wird es weniger persönlich und doch auch, durch die Darstellenden. Hier darf das Wort sich mehr Zeit nehmen als nur den Moment des Vortragens. Eingebettet in die Geschichte, in das Bild auf der Bühne, kann man das Wort nachwirken lassen, weil es nicht nur um sich selbst geht. Es fungiert hier als Begleiter in einem Ganzen, das man immer ein wenig mehr, als vorher Behandeltes, mit nach Hause, mit sich nehmen kann.
Kann, nie muss, denn auch hier bleibt einem die Wahl, das dort zu lassen, wo man es gefunden hat. Manchmal ist das sehr notwendig.
Das Theater wirkt auch weiter nach der Vorstellung. Weit mehr als das Vortragen, präsentieren von Text. Hier wird im Nachhinein noch mehr abgearbeitet.
Weniger das Vorgestellte selbst, als das was es am Rande dessen ausmacht und umgibt. Das was am Rand überlappt und um das es vielleicht viel mehr geht. Wie auf der Vernissage letzte Woche, reden die Leute hier sehr viel.
Meine Nase tut weh. Schmerz ist eine Gewöhnungssache.
Schmerz auf Theaterbühnen ist laut und alles danach ist lauter. Scheint jedenfalls so. Und das ist gut getroffen, denn auf den Schein kommt es an. Hier jedenfalls. Manchmal ist er gekonnt und hat sein Ziel erreicht, dann gibt es wenig Worte und viele Gesten. Manchmal ging es daneben und die Worte werden mehr und die Gesten weniger. Das ist kein Qualitätsmerkmal, aber es fällt auf.
Ich sollte mich mehr für Theater interessieren. Soviel ist klar.
Vielleicht ist das aber auch nur ein Satz aus dem Skript.
www.ballhausost.de
-heroische Beschränkung-
Mittwoch, 19. September 2007
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1 Kommentar:
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